Typografie von zwei- und mehrsprachigen Publikationen
Im Rahmen einer Diplomarbeit an der HTWK Leipzig über Typografie von zwei- und mehrsprachigen Publikationen entstand folgendes Interview mit uns. Ausgangspunkt war dabei unsere Erfahrung mit den zweisprachigen Ausgaben (Hamburgefonts und Gruppe 11) des spatium Magazins.

Welche Vorstellungen haben Sie von einer gut gesetzten zweisprachigen/englischsprachigen Publikation?
Die Lesbarkeit sollte ebenso wie in allen anderen Sprachen auch im Vordergrund stehen. Lesbarkeit und typografische Qualität sind zunächst einmal international.
Auf welche Kriterien legen Sie besonders Wert?
Der gekonnte Einsatz von lesbarer Typografie ist die Voraussetzung für die gelungene Präsentation von Informationen.
Haben Sie eine bestimmte Vorgehensweise, wenn Sie zweisprachige Publikationen konzipieren und gestalten?
Zunächst versuche ich mich mit den Besonderheiten der Sprache bzw. der Schrift zu beschäftigen, welche Zeichen verwendet werden müssen und mit welcher Schrift das zu leisten ist. Ein weiterer Punkt ist die Seiten- und Textaufteilung.
Z. B. können beide Sprachen neben oder untereinander auf einer Seite stehen, oder man kann es so aufteilen, dass zuerst die eine Sprache durchgängig auf den Seiten erscheint und dann die andere. Werden beide Sprachen nebeneinander gesetzt, so muss gewährleistet sein, dass der Leser sie visuell unterscheiden kann (Farbe, Schrift, etc.)

Unterscheidung der Sprachen durch die Verwendung zweier Schriften, jedoch mit gleichem Grundcharakter: Für den deutschsprachigen Text die Serifenschrift Eidetic Neo und für den englischen Texte ihre »Schwester« die serifenlose Eidetic Modern.
Was sollte man Ihrer Meinung nach beachten, wenn man zweisprachige Texte setzt?
Fangen wir bei der Schriftwahl an. Sobald es um eine Sprache mit diakritischen Zeichen geht, sollte die verwendete Schrift diese Glyphen auch enthalten. Geht es um nicht-lateinische Schriften, so ist zu prüfen ob die diese vom Stil zu den lateinischen Schriften passen und ob es ggf. die gleiche Schrift in mehreren Schriftsystemen gibt. Die Mikrotypografie (An- und Abführungszeichen, Einsatz von Apostroph) sollte der jeweiligen Sprache korrekt angepasst und nicht deutsche Mikrotypografie einem anderssprachigen Text übergestülpt werden. Beim Schriftgrad muss man bedenken, dass Sprachen mit vielen Versalien (Deutsch) oder vielen diakritischen Zeichen (Polnisch) größer wirken als Sprachen wie Englisch oder Italienisch. Stehen beide Sprachen im Seitenlayout nebeneinander, so ist es ratsam, die Schriftgröße minimal anzugleichen. D. h. den deutschsprachigen Text etwas kleiner oder den englischsprachigen Text entsprechend größer zu setzen, um so ein einheitliches Schriftbild und einen einheitlichen Grauwert zu schaffen.

Die Schrift wirkt links und rechts gleich groß, jedoch wurde die Schriftgröße für die deutschsprachigen Texte leicht verringert, damit die vermehrten Großbuchstaben bei rechnerisch gleicher Schriftgröße nicht den Größeneindruck verändern.
Diakritische Zeichen beeinflussen auch den Zeilenabstand. Werden für die verschiedenen Sprachen unterschiedliche Schriften, Gewichte oder Farben verwendet, um den Unterschied visuell darzustellen, dürfen Auszeichnungen nicht mit der Grundtypografie kollidieren. Ist der Unterschied zwischen Deutsch und Englisch z. B. Regular und Italic, müssen für Auszeichnungen andere Möglichkeiten in Betracht gezogen werden.
Wie viel Mehraufwand an Zeit beansprucht englischsprachiger Satz für Sie?
Zunächst einmal, wenn man eine sorgfältige Vorbereitung trifft, nicht sehr viel Mehraufwand. Das Problem tritt jedoch dann auf, wenn mehrsprachige Texte unterschiedlich viel Platz benötigen, den man dann ausgleichen muss.
Welche Fähigkeiten muss ein Gestalter mitbringen, der zweisprachige/englischsprachige Publikationen gestalten und setzen soll?
Im Idealfall sollte er beide Sprachen verstehen, ihm sollten die Unterschiede der Sprache bekannt sein, um darauf reagieren zu können. Die Kenntnis der beiden Sprachen ist auch bei Trennungen oder sinngemäßen Zeilenumbrüchen
wichtig.
Weshalb ist es Ihrer Meinung nach wichtig, dass man als Gestalter den englischsprachigen Satz beherrschen sollte?
Die Sache liegt auf der Hand, habe ich öfters englischsprachige oder mehrsprachige Publikationen zu setzen, so ist es notwendig sich entsprechend auszukennen, um die gleiche Qualität wie im deutschsprachigen Satz zu erhalten. Englisch ist zudem eine Weltsprache und allgemeines Kommunikationsmittel, so dass es wahrscheinlicher ist, eine Publikation
auf Englisch als auf Italienisch oder Isländisch zu setzen.